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☕ Kaffee in der TCM

  • Autorenbild: ready2flow
    ready2flow
  • 27. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Bitter. Wach. Bewegend.


Es gibt Getränke, die schmecken. Und es gibt Kaffee.

Ein Feuer in der Tasse. Dunkel. Stark. Bitter.

Ein Moment der Sammlung am Morgen. Ein Gesprächsbegleiter. Ein Ritual.

Für viele beginnt der Tag nicht mit der Sonne – sondern mit dem Duft frisch gemahlener Bohnen.


Doch was macht der Kaffee mit uns?

Nicht nur wach, sondern auch durchlässig. Nicht nur anregend, sondern auch aufzehrend.

Die TCM blickt mit einem differenzierten Blick auf dieses beliebte Getränk – jenseits von Schwarz oder Weiß. Und genau darin liegt seine Wahrheit.



🔥 Feuer in flüssiger Form


In der Traditionellen Chinesischen Medizin gehört Kaffee dem Feuer-Element an – und zwar nicht nur wegen seiner Wirkung, sondern auch durch seinen bitteren Geschmack. Bitterkeit ist die Signatur des Feuers. Sie wirkt absenkend, ausleitend und öffnend – genau deshalb hilft Kaffee bei:


  • Kopfschmerzen durch aufsteigendes Leber-Qi

  • Verstopfung durch mangelnde Darmbewegung oder Säftemangel

  • Trägheit nach üppigem Essen


Bitter bringt Energie nach unten. Wie ein Gewitter, das Spannung löst.

Doch was ist, wenn der Körper nicht genug Flüssigkeit hat, um das Feuer zu regulieren?



🌿 Kaffee aus Sicht der TCM – wohltuend oder raubend?


Wohltuend für dich ist Kaffee, wenn…

  • du morgens schwer in die Gänge kommst

  • du zu innerer Stagnation, Grübeln oder Antriebslosigkeit neigst

  • du gut hydriert bist und ein kräftiges Yin besitzt

  • du ihn nach dem Essen trinkst, um die Verdauung zu stärken

  • du ihn mit wärmenden Gewürzen (z. B. Kardamom, Zimt) oder einem Schuss Milch kombinierst - je nach Konstitution


Weniger geeignet ist Kaffee bei…

  • Schlafstörungen, innerer Unruhe, Herzklopfen

  • Hitzegefühlen, Nachtschweiß, Zungenrötung

  • Trockenheit (trockene Haut, Verstopfung, Reizhusten)

  • Yin- oder Säftemangel

  • Neigung zu Abhängigkeiten oder emotionaler Erschöpfung


Denn Kaffee öffnet das Herz – aber wenn dort nichts mehr ist, was brennt, dann bleibt nur die Asche.

Er belebt das Yang, doch bei geschwächtem Yin kann das auf Dauer auslaugen.



🌀 Was bewegt er wirklich?


Kaffee bewegt das Qi – in alle Richtungen. Bekannt ist auch, dass die Nährstoffaufnahme z.B. von Eisen oder Calcium beeinträchtigen kann. Kaffee erhöht die Magensäureproduktion und regt die Nieren zur Ausscheidung an, was natürlich zum einen die Aufnahme behindert und in puncto Niere die Ausscheidung von Nährstoffen begünstigt. Deshalb sollte der Zeitpunkt des Kaffeegenusses weise gewählt werden: Nicht zu spät und nicht zu knapp nach der Einnahme von Nährstoffen!

Er macht wach, bringt Fokus, lässt Ideen schneller denken und Worte flüssiger fließen.

Doch er kann auch den Shen, unseren Geist, durcheinanderbringen – besonders bei Menschen, die ohnehin schnell „überhitzen“.

Kaffee lässt die Gedanken kreisen – aber nicht immer zur Ruhe kommen.


„Ein Feuer will brennen – nicht flackern.“


Darum gilt auch hier: Maß halten. Die Kaiser:in im Herzen entscheidet, ob ein Espresso den Hof belebt – oder wie ein Feuersturm alles verbrennt.



💡 Kaffeekultur – und die Weisheit der Mitte


In südlichen Ländern gehört der Kaffee oft zum Essen. Nicht davor. Nicht danach. Sondern mit der Mahlzeit, gut eingebettet in das, was nährt und zentriert. Vor allem nach Dolce und Pasta - beides sehr befeuchtende und nährende Gerichte, welche oft ein wenig Ausbalancierung durch den ausleitenden Effekt des Kaffees verlangen.

Die TCM würde sagen: So verliert er seine scharfe Kante und wird zur wohltuenden Medizin.


„Wenn der Magen die Mitte ist, dann ist der Kaffee ein Bote des Morgens – aber nicht der Herrscher des Tages.“



🔄 Ausblick: Von der Bohne zur Balance


Kaffee bewegt. Kaffee aktiviert. Kaffee weckt das Feuer.

Doch Bewegung braucht auch eine Mitte. Ein Zentrum, das Halt gibt, wenn die Energie in Gang kommt.


Darum wenden wir uns im August dem Magenmeridian zu – dem Diener der Erde, der unsere Energie nicht nur anregt, sondern auch hält.

Denn: Was du auf der Jagd durchs Leben erbeutest, musst du auch verdauen können.

Und vielleicht beginnt der wahre Genuss nicht mit dem ersten Schluck – sondern mit der Frage: Was nährt mich wirklich? Was lohnt es sich (hinterher) zu jagen?

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